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I'm katharina on flickr.

Die Sache mit dem Pelz

20090125-exs8c9su37m5u46tesymdcyfqe Der Winter ist so gut wie vorüber, die Frage, ob man Pelz tragen kann oder nicht, wird folglich dieses Jahr, zumindest in der ersten Hälfte, nicht mehr auftachen.

Eine Woche bevor die Waschbärfamilie in mein Haus kam, habe ich noch leidenschaftlich dagegen plädiert. Vor zig Jahren habe ich den Persianer meiner Großmutter anprobiert, es lief mir kalt den Rücken runter und ich musste ihn sofort wieder ausziehen.

Im Dezember vorigen Jahres stellte sich die Frage wieder, möchte ich einen alten Pelz von meiner Tante tragen oder nicht. Ich probierte ihn erneut an und fühlte mich umgehend wohl, die Art und Weise wie ein Pelz warm hält ist einzigartig, man schwitzt nicht, man friert nicht, man kann den Minusgraden mit Hilfe der 8 toten Tiere auf angenehme Weise trotzen.

Ich war stets darauf gefasst, dass mir jemand unangenehme Fragen stellt, doch ist dies nie passiert, was ich eigentlich bedauerlich fand. So gut wie niemand, war darüber entsetzt. Ist es denn wieder möglich und normal Pelz zu tragen? Das wäre schrecklich, denn es ist nicht akzeptabel, wie die Tiere gehalten werden. Und auch Felle, die von Tieren aus der freien Wildbahn stammen, wie in meinem Fall der Waschbär, werden nicht so idyllisch gewonnen, wie man sich das vorstellen mag. Auch wenn es teilweise notwendig ist, den Bestand einer Tierart zu begrenzen, um eine gewisse Balance herzustellen, so kann ich mir kaum vorstellen, dass Jäger sich hinsetzen, stundenlang auf einen Waschbär warten und diesen dann mit einem Schuss sofort töten. Es ist wohl eher so, dass Fallen ausgelegt werden, in denen die Tiere dann qualvoll verrecken.

Ich würde nie einen neuen, sozusagen für mich produzierten Pelz tragen. Mit Vintage-Pelz ist es so eine Sache. Man kann natürlich sagen, dass es schade wäre sie nicht zu tragen, da die Tiere ja ansonsten umsonst gestorben sind. Aber durch das Tragen dieser Pelze trägt man natürlich auch dazu bei, dass es wieder normaler wird, Pelze zu tragen.

Schwierig. Auch das Argument, dass man Fleisch ist, und Tiere dafür auch sterben müssen, zieht nicht richtig. Denn bei Fleisch, Eiern, etc. hat man heutzutage die Möglichkeit, sorgsam auszuwählen was man einkauft. Den Tod von Tieren für mein Steak kann ich akzeptieren, wenn ich denn sicher sein kann, dass das Tier zuvor ein möglichst würdiges Leben hatte. Das bezahle ich gerne.

Wenn ich mir aber vorstelle, dass der Pelzmantel, den ich diesen Winter getragen habe, zuvor von meiner Tante und davor von ihrer Tante getragen wurde, so scheint es fast, dass er ein besonders nachhaltiges Kleidungsstück ist. Wenn man überlegt, wieviele Wintermäntel, billig irgendwo in Asien produziert, im Laufe eines Lebens gekauft werden, so wäre es wahrscheinlich besser, wenn sich jeder einmal im Leben einen ordentlichen Pelzmantel kaufen würde und auf den restlichen Kleidungsschund verzichten würde.

Keine Ahnung. Ich werde ihn im nächsten Jahr wahrscheinlich wieder anziehen. Schön wäre es, wenn es keiner sehen könnte.

(Völlig im Gegensatz zu dem vorigen Satz wurde das Bild von mir im Pelz und mit roter Nase im, ahem, OTTO-blog gezeigt. Die Nachstylingtipps sagen aber Pelzimitatmantel. Das scheint natürlich erst mal ok, aber im Grunde finde ich es noch schlimmer, Pelzimitat zu tragen als echten Pelz. Wieso sollte man etwas imitieren, dass man eigentlich ekelig findet, und im gleichen Zug noch dazu beitragen, dass dieses, als unmoralisch Verworfene, ins Strassenbild zurückkehrt.)

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